Matthias Brock – Aphorismen f¸r den Verstand


Entgegen der Verniedlichung der Dinge, die aus jedem Gegenstand ein Spielzeug werden l”sst, entgegen der infantilen Erotik der Bilder von Frauen, die zu kniestrumpftragenden Lolitas werden, entgegen des sich versteigenden Enthusiasmus’ ¸ber belanglose Gegenst”nde die keine Geschichte haben und auch keine Geschichten erz”hlen k–nnten – entgegen der ganzen Unverbindlichkeit, wie sie zuletzt in die realistische Abteilung der Malerei Einzug gehalten hat, berichten die Bilder von Matthias Brock vom Ganzen; sie entwerfen einen Katalog zeitgem”þer Allegorien zum Leben. Nicht, dass nicht auch Brock sich um eine erkl”rliche Abbildung der Dinge bem¸hte und konzentriert, auf eng gefasste Szenen und wenige Details gest¸tzt, ein Motiv entwirft, das auch allein bestehen k–nnte als eine (gleichwohl intelligente) Art der dekorativen Anekdote. Doch sind seine Bilder immer mehr als identifizierende Abbilder des Allt”glichen, sind wie Objet trouvÈ aus dem Leben, Aphorismen f¸r den Verstand, deren Bedeutungen tiefer liegende Wurzeln haben, die sich kaum ¸ber das Motiv allein erkl”ren lassen. F¸r diese Bilderwelt bedarf es keines Slangs, um den Anspruch zu illustrieren (sic!). Brocks Malerei brilliert nicht durch einen solchen Erfindungsreichtum, wie er etwa aus nicht vorhandenen (technischen) F”higkeiten entsteht und, als Personalstil kultiviert, zum Beispiel dem Vortragenden hilft, ¸ber eine ihm fehlende Imagination hinwegzut”uschen. Brocks Malerei folgt in Linie, Form und Couleur der Natur. Von Weitem betrachtet mag sie es gar darauf anlegen, als nicht viel mehr, denn als deren Projektion zu wirken. Erst aus der N”he wird deutlich, wie verschieden die eingesetzten malerischen Mittel und M–glichkeiten sind, die f¸r die Plastizit”t und Lebendigkeit der Dinge und ihre Lebenswirklichkeit Verantwortung tragen und die den Betrachter irren lassen, der sich schon auf den Fotorealismus als Beschreibung dessen festgelegt hat. Und um nichts weniger n”mlich handelt es sich. Diese Malerei folgt der Natur. Doch sie behauptet nicht an ihrer statt die Natur und damit die Wirklichkeit sein zu wollen. Sie bleibt Malerei in Duktus und Gestalt, zusammengesetzt aus Farben, Linien und Fl”chen, erhabenen und pastosen wie samtenen und aquarellierten Abschnitten. Und sie bleibt es kraft ihrer Imagination, die dem Motiv einen Bedeutungshorizont verleiht, der neben dem Gegenstand Tradition und Realit”t, Moderne und Fiktion des Augenblicks vereint.

Stefan Skowron