Freitag, 17.November 2006

Gipfeltreffen auf Himbeeren

Stillleben mit Augenzwinkern: Galerie Skala zeigt Bilder von Matthias Brock

von Ursula Härtling

Matthias Brock lässt uns die Welt mit den Augen einer Heuschrecke sehen. Seine Ausstellung "Nature presque morte" in der Galerie Skala rückt all die unscheinbaren Tiere und Pflanzen ins Blickfeld, die wir kaum wahrnehmen: eine Eidechse, die auf einen riesigen Pfirsich starrt ("Attraction"), ein abgestürztes Tagpfauenauge im Schatten einer Birne ("Venus und Amor"), zwei Insekten auf einem Berg Himbeeren ("Gipfeltreffen").

Doch was so naturalistisch anmutet, ist bei näherem Hinsehen eine Inszenierung mit Freiraum. Brock spielt mit Gegensätzen und kippt die Natur so ins Sinnbild: groß und klein, hell und dunkel, scharf und unscharf liegen auf seinen farbintensiven Ölbildern nah beieinander. Er nimmt Frösche und Tulpen, Fische und Melonen unter die Lupe, um ihnen dann auf den meist großenformatigen Leinwänden wieder freien Lauf zu lassen. Auf diese Weise entstehen moderne Allegorien: Eine Magnolienblüte entfaltet sich vor blassblauem Himmel (Le lever), eine Ratte entert die sorgsam gehüteten Vorräte (Le retour), eine Echse frisst einen Schmetterling (L'andalouse) inmitten von leuchtenden Zitronen.

Matthias Brock malt zwar nicht mit der Detailgenauigkeit der alten Meister, doch der Grundduktus seiner Bilder entspricht einem barocken Lebensgefühl: Er illustriert die allgegenwärtige Vergänglichkeit - ohne Schrecken und Klage, eher mit einem leichten Augenzwinkern: Über seine Bilder lässt er gern mal eine Fliege laufen oder auch ganze Ameisenarmeen - was die ausgewogene Komposition nur scheinbar stört. Und je länger man so auf diesen Mikrokosmos schaut, desto mehr beschleicht einen das Gefühl, dass Matthias Brock seinen Geschöpfen so nahe kommt, dass er manchmal selbst zur Eidechse, zum Frosch, zum Schmetterling wird (Preise zwischen 1300 und 5200 Euro).

Artikel erschienen am Fr, 17. November 2006